Verkehr in Schwaikheim – wie regeln wir ihn?

Veröffentlicht am 28.01.2020 in Kommunalpolitik

Wie überall so auch in Schwaikheim: der Verkehr ist ein Problem. Von der S-Bahn, über das Angebot der Buslinien, die Möglichkeiten für Radfahrer und Fußgänger. Das Thema ist uralt in unserer Gemeinde. Jetzt wird mal eine Umfrage gemacht. Wir sind gespannt darauf, welche Vorschläge die Fachleute vorlegen werden. Wir freuen uns auf eine lebhafte Diskussion. Veränderungen wird es geben müssen; den einen werden sie freuen, die andere ärgern.

 

Schwaikheim ist mit knapp 10.000 Einwohnern keine Stadt, aber vielleicht sollte ein Blick auf einige Städte ein bisschen Mut machen. Bei den großen „Menschenansammlungen“ sind auch die Probleme größer und die Interessen vielfältiger. Wenn man aber in den Metropolen etwas hinbekommt, dann müsste das bei uns doch auch möglich sein. Schauen wir mal, was sich so tut:

 

Brimingham ist die zweitgrößte Stadt Großbritanniens. Dort hat der Stadtrat jetzt ganz undiplomatisch verkündet: „Eine übermäßige Abhängigkeit von privaten Autos ist schlecht für unsere Gesundheit und die unserer Familien, schlecht für unsere Gesellschaft und schlecht fürs Geschäft.“ Und gleich auch den Entwurf eines „Transport-Plans“ beschlossen. Beim Setzen der Ziele ist man nicht zimperlich: Die städtische Mobilität soll radikal umgebaut werden. Velofahren und zu Fuß Gehen sollen künftig die erste Wahl für kurze Strecken sein. Das Netz aus Metro- und Buslinien soll auf das Dreifache seiner derzeitigen Größe ausgebaut werden für 1,6 Milliarden Euro.

Eine Durchschnittsrechnung beschreibt die heutige Situation: eine in der Stadt wohnende Person steht im Jahr 134 Stunden im Stau. Und die Stadt-Väter und -Mütter haben noch mehr Argumente: Ein Viertel der Bevölkerung ist übergewichtig; ein Drittel bewegt sich pro Woche weniger als 30 Minuten. Als Folge der Luftverschmutzung sterben laut offiziellen Angaben jedes Jahr 900 Menschen vorzeitig.

In Birmingham hat man sich ein besonderes Modell für den Verkehr ausgedacht: es ermöglicht auch Autoverkehr, aber nur in einem vorgegebenen Rahmen, der hier aber nicht erläutert werden kann. Und der Plan geht noch viel weiter: Ein Teil der Flächen, die heute ausschließlich dem Auto vorbehalten sind, werden umgenutzt, namentlich für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Parkplätze werden für „produktivere Nutzungen“ als die Lagerung von Autos frei, etwa für Wohnungen und Arbeitsstätten. Um Wohnquartiere von den negativen Auswirkungen des Autos zu schützen, will die Stadtregierung eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 Meilen (32 km/h) zum Standard machen. Zum Schutz von Kindern sind Parkverbote außerhalb von Schulen vorgesehen. Und wo das Parkieren erlaubt bleibt, wird es so viel teurer, dass die Kosten zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr motivieren. 

 

Gent: Birmingham hat das Rad nicht neu erfunden. Eine ähnliche Planung ist seit einigen Jahren in Gent schon verwirklicht. Bis vor 20 Jahren war auch Gent eine autodominierte Stadt. So wurden Flüsse trockengelegt, um Parkplätze zu schaffen. Dann hat der Stadtrat beschlossen, neue Wege zu beschreiten. Das ging nicht ohne heftige Diskussionen. So wurde der zuständige Stadtrat sogar mit dem Tode bedroht. Trotzdem wurde der Plan 2017 umgesetzt, den Anteil des Veloverkehrs bis 2030 von 22 auf 35 Prozent zu erhöhen. Sensationell: Nach zwei Jahren wurde das 35-Prozent-Ziel bereits erreicht. Kritik ist keine mehr zu hören.

 

Und was sich sonst noch so tut: Norwegens Hauptstadt Oslo wandelte 700 Parkplätze in Radwege und Parks um und befreite die Innenstadt weitgehend vom Autoverkehr. Anfang Januar vermeldete die Stadt, dass der Straßenverkehr 2019 noch ein Todesopfer gefordert habe – 1975 waren es noch 41. Lubliana, Hauptstadt von Slowenien, hat viele Plätze und Straßen für Autos gesperrt. Palermo will autofrei werden. München richtete autofreie Zonen ein. Die Städte Madrid, Wien, Helsinki, Hamburg, Paris, Eindhoven, Brüssel – ja selbst Kolumbiens Hauptstadt Bogotà – haben Maßnahmen ergriffen, um den Verkehr zu beruhigen und die Fortbewegung mit eigener Muskelkraft effizienter und sicherer zu machen. Kopenhagen investiert schon seit Jahren in eine Verkehrsinfrastruktur, in der umweltschonende Verkehrsträger mit hoher Transportkapazität gegenüber dem Auto priorisiert werden. 2018 betrug der Anteil des Veloverkehrs in der dänischen Hauptstadt 49 Prozent. 

 

Und was machen wir in Schwaikheim? Vergleiche mit Weltstädten hinken natürlich, aber sie sollten uns Mut machen, unvoreingenommen mutig neu zu denken. Ein umweltfreundliches Konzept für unsere Gemeinde zu erstellen wird nicht leicht zu Papier zu bringen und schon gar nicht mal so eben schnell „auf die Straße“ zu bringen sein. Dennoch: wenn wir die Situation verbessern wollen, dann werden wir um eine mutige Diskussion nicht herumkommen. Wenn wir umweltfreundliche, also menschenfreundliche Lösungen finden, dann hätten doch alle Grund zur Freude. Und dann sollten wir nicht mehr allzu lange bei den Plänen verweilen, sondern diese rasch umsetzen.

Hermann Zoller

 
 

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