Der Kolonialismus lebt noch

Veröffentlicht am 20.05.2024 in Politik

Als optimistischer Mensch ist man vielleicht doch etwas überrascht davon, dass wir von Unruhen in Neukaledonien hören. Das Gebiet liegt weit hinter Australien. Eigentlich kommen von dort selten Schlagzeilen.

 

Jetzt begehren die eigentlichen Bewohner auf: die übermächtige Regierung in Paris will das Wahlverfahren so ändern, dass die aus dem fernen Frankreich Eingereisten auf jeden Fall das Sagen haben: Die „Eingeborenen“ könnten ja auf die Idee kommen, künftig mit Frankreich und dem westlichen Machtblock nicht mehr so viel zu tun haben zu wollen. Und damit wird „der Fall Neukaledonien“ so richtig spannend.

 

Zunächst sollte man feststellen, dass es auch 75 Jahre nach der Unterzeichnung der Erklärung der Menschenrechte – auch durch Frankreich – noch immer Kolonien gibt; zwar in westlicher Hand, was die Sache aber nicht unbedingt besser macht. Die eigentlichen Bewohner von Neukaledonien wollen unabhängig werden und selbst bestimmen, wie ihr Land und Leben gestaltet wird.

 

Aber was zählen Menschenrechte, wenn es um Machtfragen geht! Bei den UN wird Neukaledonien als ein Gebiet geführt, das noch entkolonialisiert werden muss. Aber was juckt das die Grande Nation. Andere Länder, von denen in Europa jetzt auch nichts zu hören ist, finden diese Inselgruppe ebenfalls sehr wichtig: sie ist ein wichtiger Standort in dem weltweiten Kräftezerren.

 

Diese Inselgruppe hat eine erhebliche geostrategische Bedeutung für Frankreich, man will dort im Spiel bleiben. Man kann dort militärische Präsenz zeigen gegen China. Und das gefällt auch den anderen Europäern.

 

Unterworfen hat sich Frankreich das Land 1823. Die Ausbeutung von Rohstoffen lockte. Die Unabhängigkeitsbestrebungen verdichteten sich in den 1970er Jahren. Referenden waren Scheinabstimmungen, denn die Ureinwohner waren zahlenmäßig in der Unterzahl, erreichten aber immerhin knapp 47 Prozent.

 

Frankreich will auf jeden Fall die Oberhoheit behalten, damit es mit seiner Militärpräsenz nicht nur als pazifische, sondern auch als Welt-Macht auftreten kann. Die Bundeswehr hat sich die Kolonie auch schon zunutze gemacht: amphibische Operationen, Jagd- und Überlebenstechniken erlernt, Operationen im Dschungel geübt, einschließlich Nahkampf; obere Ränge sind nach Neukaledonien gereist, um „Möglichkeiten und Grenzen für Aufgaben und Beiträge deutscher Streitkräfte“ näher auszuloten.

 

Die Unabhängigkeit dieser Inselgruppe würde nicht nur das Ende französischer Militärpräsenz bedeuten, sie hätte auch wirtschaftliche Folgen für Frankreich. Neukaledonien ist der viertgrößte Nickelproduzent der Welt. Die Nickelvorräte werden derzeit noch ausschließlich von westlichen Konzernen ausgebeutet. Dann hat man nicht nur in Paris, sondern in ganz Europa davor Angst, dass sich ein unabhängiges Neukaledonien, wenn nicht gar China annähern, so doch zumindest nicht als Rammbock gegen Peking missbrauchen lassen würde.

 

In den nördlich gelegenen Salomonen hat sich zum großen Ärger in Europa bereits eine solche Entwicklung vollzogen. Der Machtkampf gegen China bestärkt Frankreich in der Absicht, die Unabhängigkeit Neukaledoniens mit aller Raffinesse zu hintertreiben. Des klammheimlichen Beifalls der anderen Europäer und auch von jenseits des Teichs kann Frankreich sicher sein. –

 

Haben wir in diesem Jahr mit den Menschenrechten nicht ein Jubiläum gefeiert?

 

Hermann Zoller

 
 

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