4-Tage-Woche: Warum denn eigentlich nicht?

Veröffentlicht am 26.03.2021 in Politik

Corona wirbelt einiges um. In der Wirtschaft finden eh strukturelle Umwälzungen statt. Der Abbau vieler Arbeitsplätze droht. – Da ist es doch an der Zeit, das nicht alles mal so auf sich zukommen zu lassen, sondern mal zu überlegen, was man in unserer Arbeitswelt so ändern könnte, um den Absturz von vielen Menschen zu verhindern und damit auch unsere Wirtschaft und unseren demokratischen Staat rechtzeitig zu sichern. Da kommt der Denkanstoß, die 4-Tage-Woche einzuführen, doch gerade richtig.

 

Spanien steht kurz davor, als erstes Land weltweit ein Pilotprojekt zur 4-Tage-Woche (32 Stunden) auf nationalstaatlicher Ebene zu starten, wie The Guardian berichtet. Die Regierung des Sozialisten Pedro Sánchez hat einen Vorschlag der linken Partei Más País (dt. „Mehr Land“) akzeptiert und wird die Gespräche zur Vorbereitung in den kommenden Wochen abschließen.

 

Die Details des Pilotprojekts werden derzeit noch ausverhandelt. Geht es aber nach Más País, so soll das Pilotprojekt drei Jahre umfassen. Wird in einem Unternehmen die Arbeitszeit auf vier Tage die Woche reduziert, soll der Staat im ersten Jahr 100 Prozent, im zweiten Jahr 50 Prozent und im dritten Jahr 33 Prozent der Kosten übernehmen. Héctor Tejero von Más País schätzt, dass mit diesem Modell rund 200 Firmen teilnehmen und zwischen 3000 und 6000 ArbeitnehmerInnen davon profitieren könnten. Als Bedingungen für die Subventionen definiert Tejero, dass die Arbeitszeit tatsächlich verkürzt werden muss und es weder zu Gehalts- noch Jobverlusten kommen darf.

 

Bereits im Herbst dieses Jahres könnte das Pilotprojekt starten, so Tejero. Damit wäre Spanien das erste Land weltweit, das ein Pilotprojekt dieser Größe auf den Weg bringen würde, sagt Tejero. Die letzte nationalstaatliche Initiative zur Reduktion der Arbeitszeit gab es 1998 in Frankreich, als die wöchentliche Arbeitszeit schrittweise von 39 auf 35 Stunden reduziert wurde. Die Gesetzesänderung ist bis heute in Kraft.

 

Mit dem Pilotprojekt hofft Spaniens Regierung, an die Erfolge der südspanischen Software-Firma DelSol anknüpfen zu können. DelSol hat zu Beginn letzten Jahres als erstes spanisches Unternehmen die 4-Tage-Woche eingeführt – mit Erfolg: Die Zahl der Fehltage verkürzte sich, die Produktivität stieg und die MitarbeiterInnen berichteten, dass sie glücklicher seien. Más País schlägt daher auch vor, das spanische Pilotprojekt von einem Gremium aus ExpertInnen – u.a. Regierungs- und UnternehmensvertreterInnen sowie Gewerkschaften – begleiten zu lassen, um die Ergebnisse genau zu analysieren.

 

Auch historisch hat Spanien, was die Reduktion der Arbeitszeit betrifft, eine Vorreiterrolle inne: Im Jahr 1919 führte es als eines der ersten Länder Westeuropas nach einem 44 Tage andauernden Streik in Barcelona den Acht-Stunden-Tag ein.

 

Die Idee einer 4-Tage-Woche hat während der Corona-Pandemie wieder an Fahrt aufgenommen. Erst kürzlich forderten linke PolitikerInnen und VertreterInnen der Europäischen Union in einem offenen Brief an die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, den britischen Premierminister Boris Johnson und den spanischen Premierminister Pedro Sánchez, die Einführung der 4-Tage-Woche, um die Folgen der Pandemie zu bekämpfen. Die 4-Tage-Woche trage nicht nur zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit bei, sondern biete auch die Gelegenheit, unsere Arbeitsmuster zu überdenken. Weniger gesundheitsschädlicher Stress und weniger Energieverbrauch zur Bekämpfung der Klimakrise wären gute Nebeneffekte.

 

 

Von Raphaela Pammer

 

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